Seit 1994 kümmert sich der Verein um die Traditionen des 200-jährigen Cannstatter Volksfestes. Aus bitterer Not erwuchs ein Landesfest, das alljährlich rund 4 Millionen Besucher auf den ehemaligen Exerzierplatz am Neckar lockt. Party und Kommerz brauchen einen Gegenpol und den setzt der Cannstatter Volksfestverein alljährlich mit dem großen Volksfestumzug am ersten Festsonntag. Der satzungsgemäße Auftrag lautet: Der Verein dient der Erhaltung und Förderung des Volksfestbrauchtums, wie z. B. der historischen Gestaltung der Fruchtsäule, der Durchführung von Volksfestumzügen, Veröffentlichungen über die Volksfestgeschichte, Wahrung des Gedenkens an den Gründer des Landesfestes u. a.
Cannstatter Volksfestverein wehrt sich gegen pauschales Tierverbot beim historischen Volksfestumzug – Petition soll den Erhalt einer jahrhundertealten Tradition sichern
Stuttgart-Bad Cannstatt, 13. Oktober 2026. Ein historischer Volksfestumzug ohne Pferdegespanne und landwirtschaftliche Nutztiere? Für den Cannstatter Volksfestverein ist das keine Option. Der Veranstalter des traditionsreichen Festzugs wehrt sich entschieden gegen Forderungen nach einem pauschalen Tierverbot. Mit einer Unterschriftenaktion und einer jetzt gestarteten Online-Petition will der Verein ein deutliches Zeichen für den Erhalt dieses lebendigen Kulturerbes setzen.
Geschichte lässt sich nicht einfach aus dem Festzug streichen
Der Cannstatter Volksfestumzug ist weit mehr als ein farbenprächtiges Spektakel. Er erzählt die Geschichte Württembergs, seiner Menschen, seiner Landwirtschaft und seiner Traditionen. Schließlich wurde das Cannstatter Volksfest 1818 von König Wilhelm I. und Königin Katharina als landwirtschaftliches Fest ins Leben gerufen. Pferde, Rinder und andere Nutztiere waren über Jahrhunderte unverzichtbare Begleiter der Menschen – bei der Feldarbeit, beim Transport und in der bäuerlichen Wirtschaft.
„Wer unsere Pferdegespanne und landwirtschaftlichen Nutztiere lediglich als lebende Kulisse bezeichnet, verkennt den historischen Ursprung und den kulturellen Auftrag unseres Festzugs“, erklärt Wulf Wager, Erster Vorsitzender des Cannstatter Volksfestvereins. „Wir wollen Geschichte nicht nur erzählen, sondern für die Menschen erlebbar machen. Dazu gehören auch die Tiere, die unsere Landwirtschaft und damit die Entwicklung unseres Landes über Jahrhunderte geprägt haben.“
Selbstverständlich könne Geschichte auch ohne lebende Tiere dargestellt werden. Doch allein die Möglichkeit einer alternativen Darstellung sei noch lange kein überzeugendes Argument für ein grundsätzliches Verbot.
Tierwohl hat Vorrang – aber Sachlichkeit ebenso
Der Volksfestverein betont ausdrücklich, dass das Wohl der teilnehmenden Tiere oberste Priorität hat. Die Tiere werden von erfahrenen Haltern begleitet, Pferde und Gespanne auf den Umzug vorbereitet und eine tierärztliche Betreuung steht zur Verfügung. Für den Fall, dass ein Tier Anzeichen einer Überforderung zeigt, bestehen Möglichkeiten, es aus dem Festzug zu nehmen.
„Wir nehmen den Tierschutz ernst. Gerade deshalb erwarten wir eine differenzierte und fachlich fundierte Auseinandersetzung statt pauschaler Vorwürfe“, so Wager. „Es macht einen erheblichen Unterschied, ob ein erfahrenes, an Menschenmengen gewöhntes Kutschpferd an einem Festzug teilnimmt oder ein Tier einer ungewohnten, belastenden Situation ausgesetzt wird. Auch die verschiedenen Tierarten müssen jeweils gesondert betrachtet werden.“
Der Verein unterstützt ausdrücklich die sachliche Prüfung konkreter Vorwürfe durch die zuständigen Veterinärbehörden. Einzelne Fotos oder Momentaufnahmen könnten Fragen aufwerfen, ersetzten jedoch keine fachkundige Beurteilung der tatsächlichen Situation.
Wenn Tierschützer selbst zur Gefahr werden
Mit deutlicher Kritik reagiert der Volksfestverein auf das Verhalten von Aktivisten des „Kollektiv Tierbefreiung Stuttgart“ während des diesjährigen Festzugs. Nach Darstellung des Vereins wurde unmittelbar hinter einem Pferdegespann plötzlich ein großes Protestbanner entfaltet.
„Wer unmittelbar hinter Pferden ruckartig ein großes Banner aufzieht, handelt aus unserer Sicht grob fahrlässig und gefährdet damit möglicherweise genau jene Tiere, die er angeblich schützen möchte“, kritisiert Wager. „Pferde sind Fluchttiere. Erschrecken sie, können sie scheuen oder durchgehen – mit unabsehbaren Folgen für Tiere, Teilnehmer und Zuschauer.“
Dass die betroffenen Pferde ruhig geblieben seien, spreche nach Ansicht des Vereins für ihre gute Vorbereitung und die Erfahrung ihrer Halter. „Tierschutz darf nicht dort aufhören, wo der eigene Protest beginnt“, betont Wager.
Dialog statt ideologischer Grabenkämpfe
Der Cannstatter Volksfestverein respektiert ausdrücklich, dass es Menschen gibt, die den Einsatz von Tieren bei öffentlichen Veranstaltungen grundsätzlich ablehnen. Eine solche Haltung dürfe jedoch nicht automatisch zum Maßstab für ein generelles Verbot werden.
Auch Vergleiche mit tierfreien Weihnachtskrippen oder Zirkusveranstaltungen greifen nach Auffassung des Vereins zu kurz. Der historische Volksfestumzug habe einen eigenständigen kulturellen und landwirtschaftlichen Hintergrund, der bei der Bewertung berücksichtigt werden müsse.
„Wir sind jederzeit bereit, über Verbesserungen, zusätzliche Schutzmaßnahmen und konkrete Anforderungen zu sprechen. Dem Veterinäramt haben wir unsere Gesprächsbereitschaft bereits ausdrücklich signalisiert“, erklärt Wager. „Was wir aber ablehnen, ist ein pauschales Verbot, das weder den unterschiedlichen Tierarten noch den tatsächlichen Bedingungen unseres Festzugs gerecht wird.“
Ohne Tiere verliert der Volksfestumzug seine Seele
Für den Vorsitzenden steht fest, dass es bei dieser Auseinandersetzung um weit mehr geht als um einzelne Pferdegespanne oder Nutztiere.
„Unser Volksfestumzug ist ein lebendiges Stück württembergischer Geschichte. Wenn wir beginnen, seine historischen Wurzeln Stück für Stück abzuschneiden, bleibt irgendwann nur noch ein beliebiger Festzug übrig. Das kann und darf nicht unser Ziel sein.“
Wager macht deshalb unmissverständlich deutlich: „Ohne Tiere wird es mit uns keinen historischen Cannstatter Volksfestumzug mehr geben!“
Petition gestartet: Jetzt sind die Freunde des Volksfestes gefragt!
Um dieser Haltung Nachdruck zu verleihen, hat der Cannstatter Volksfestverein eine Unterschriftenaktion ins Leben gerufen. Bereits am letzten Volksfestsonntag unterstützten mehrere Hundert Besucher mit ihrer Unterschrift den Erhalt der Tiere im historischen Festzug.
Jetzt können auch alle anderen Freunde des Cannstatter Volksfestes, der Landwirtschaft und des lebendigen Brauchtums ihre Unterstützung bekunden. Der Verein hat dazu eine Online-Petition gestartet. Bereits am vergangenen Sonntag haben die Mitglieder des Volksfestvereins einige Hundert Unterschriften zu diesem Thema gesammelt.
Hier geht es zur Petition:
https://www.openpetition.de/petition/online/tiere-gehoeren-zum-historischen-cannstatter-volksfestumzug
„Wir rufen alle Menschen auf, denen unser Volksfest, seine Geschichte und seine Traditionen am Herzen liegen, sich an dieser Petition zu beteiligen“, appelliert Wager. „Wir wollen zeigen, dass eine verantwortungsvolle Teilnahme von Tieren und konsequenter Tierschutz keine Gegensätze sind.“
Die Botschaft des Cannstatter Volksfestvereins ist eindeutig: Wir stehen für lebendige Tradition, für einen verantwortungsvollen Umgang mit unseren Tieren und gegen ein pauschales Verbot. Denn Tierwohl und historisches Brauchtum gehören für uns untrennbar zusammen.
Cannstatter Volksfestumzug 2027
26. September 2027, 11 Uhr
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30 Euro pro Karte im Vorverkauf:
Rathaus Bad Cannstatt bei Bernd-Marcel Löffler
Bestellung per E-Mail:
ticket@cannstatter-volksfestverein.de
Rund 4000 Trachten und Uniformträger, viele hundert Tiere und Musikanten, rund 50 aufwendig geschmückte historische und aktuelle Festwagen gestalten alljährlich den großen Volksfestumzug bei dem rund 150.000 Besucher die Straßen der Altstadt Bad Cannstatts säumen. Ein Vielfaches davon bewundert den einzigartigen Festzug im SWR-Fernsehen. Den letzten Festzug können Sie hier sehen.
Das Organ des Cannstatter Volksfestvereins ist die seit 2000 jährlich erscheinende Cannstatter Volksfest-Zeitung. In einer Auflage von 60.000 Exemplaren gibt sie Infos zu Aktuellem und Historischem des größten Festes der Schwaben und schlägt somit den Bogen zwischen Tradition und Moderne. Das kostenlose offizielle Volksfestmagazin können Sie auch Online hier lesen.
Eine Trachtengruppe und eine Kinder- und Jugendgruppe vertreten den Cannstatter Volksfestverein in der Öffentlichkeit. In Ihren schmucken Dirndln und Trachtenanzügen nehmen sie auch am Volksfestumzug, beim Traditionsmorgen und alle vier Jahre bei der Feierstunde zum Geburtstag des Volksfestgründers König Wilhelm I. in der Grabkapelle auf dem Württemberg teil. Mehr Infos finden Sie hier.
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